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Münchner See-Lesungen Aus dem Artikel Dichterlesung auf dem Ruderboot von mdo im Münchner Merkur vom 20.07.1998: Das Publikum, das sich an dem gegensätzlichen Programm nicht störte, war gemischt: Vom Deutsch-Leistungskursler bis zur literaturbegeisterten Rentnerin mit Hund war alles dabei. Nicht zu vergessen die "Zufallsgäste": Immer wieder stoppten Rollerblader oder Jogger, die eine Atempause brauchten, und hörten interessiert zu. Nur ein Schwarm Krähen sabotierte die ungewöhnliche Literaturveranstaltung ein wenig, indem er zur Halbzeit lautstark die umliegenden Bäume besetzte. Die beiden Dichter ließen sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Zu der stimmungsvollen Gitarrenbegleitung von Christoph Schäferle lasen sie im Wechselspiel noch zwei ironische Zukunftsvisionen vor, die sich geistreich und kritisch mit der zunehmenden Technisierung und mit Diskriminierung auseinandersetzten. ... Aus dem Artikel Die Wirklichkeit der Bilder von Doris Näger in der Süddeutschen Zeitung vom 20.07.1998: Der Kontrast könnte krasser kaum sein: Die Bilder, die das Gehörte im Kopf produziert, korrespondieren keineswegs mit denen vor den Augen. Vor See- und Baumkulisse zwischen ein paar Enten schwimmen hölzerne Ruderboote. Darin sitzen junge Männer mit langen Haaren. Der eine spielt Gitarre, die anderen rezitieren: "Wortmächtige Rechengehirne, neuronale Netze, niemand wußte mehr, wie sie funktionierten, ob sie überhaupt noch auf dem binären Prinzip basierten . . ." Was ist hier realer, Computer- oder Vogelwelt? Nikolai Vogel und Kilian Fitzpatrick lasen zu Klängen von Christoph Schäferle auf der dritten Münchner See-Lesung unter anderem Vogels Text "Computer". Lyrik und Prosa in eine andere Umgebung zu setzen, aus dem abgeschotteten Raum zu befreien, ein anderes Publikum zu erreichen und jedem einzelnen freizustellen, wann er geht – das war schon vor drei Jahren das Konzept der Münchner Nachwuchsautoren Vogel und Ulrich Bauer-Staeb für diese unkonventionelle Präsentation. ... Ein Experiment ist es für Vogel, einen so abstrakten Text wie "Computer" mit diesem natürlichen Idyll zu kontrastieren. ... "Wenn jemand vorliest, das entspannt nach einem Arbeitstag", sagt Claudia Schlaier. Vorbei kommen Jogger, Radfahrer bleiben stehen. ... Laut gickernde Techno-Mädels gehen weiter. "Das Driften im Publikum find’ ich schön", sagt Vogel. Aber die vielen Eindrücke und Bilder lenken ihn ab: "Man muß sich sehr konzentrieren." ... Und für Brunhilde Sadler, die selbst Literatur-Lesungen organisiert und kommt, um junge Autoren zu hören, ist alles nur eine Frage der Gewöhnung: "Man muß alle Geräusche und Bilder koordinieren. Das ist wie in der Oper."
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